Kann man sich näher als nah kommen?

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Feb 11, 2018

Es passiert jeden Tag viel. Begegnungen. Landschaften. Unterhaltungen. Und dazwischen sind wir. Jeder für sich. Wir alle zusammen. Manchmal, wenn auch selten, hängen wir unseren Gedanken nach. Es gibt viel zu erfragen, zu erkunden, zu lesen. Wir sind hier zusammen und zusammen gehen wir durch dick und dünn. Und auch wenn ich alle manchmal zum Kuckuck wünschen wollte, so bin ich doch beeindruckt und auch stolz darauf, wie sehr wir es schaffen, alles so friedlich zusammen zu meistern. Vor allem vor dem Hintergrund, dass so manch eine Situation nicht einfach auszuhalten ist. Und von so einer will ich jetzt erzählen. Zwischen diesem Ereignis und heute liegen ja Wochen,  Bildwelten, Emotionen, aber diese eine Situation hat uns alle gleichermaßen betroffen.

Wir haben einen wunderschönen 3-Tages-Trek von La Paz ausgemacht. Der Takesi-Trail. Landschaftlich ein Traum. Leider konnten wir keine Mulis mieten und mussten unsere schweren Rucksäcke inklusive Zelt, Isomatten, Schlafsäcken und Essen selbst tragen. Rauf auf 4.600 Meter. Runter durch beeindruckende Wiesen, auf aus Stein gepflasterten Inkapfaden und an Seen vorbei.


Fernab von der Zivilisation oder genauer gesagt ein paar Fußstunden entfernt. Nachts mit Regen und Schnee. Stefans Geburtstag um 3.30 Uhr nachts mit Stollen und Lampion gefeiert. Bisschen gefroren.



Tapfer gelaufen. Stundenlang bergab. Eine tolle Familie kennen gelernt mit 4 Jungs, die irgendwo am Hang wohnen. 3 Stunden Fußmarsch bis zum nächsten Ort entfernt.

Mit Muskelkater am letzten Morgen aufgewacht. Fertig, aber glücklich. Schmerzende Schultern, aber glücklich.

Und dann wollten wir am nächsten Nachmittag einfach nur diesen einfachen Bus nach La Paz zurücknehmen. Eine andere Möglichkeit hätte es nicht gegeben. Anfänglich haben wir noch gelacht über die harten Federn. Luis, Felix und ich in der letzten Reihe, Stefan auf dem Ersatzsitz davor nebst 12 anderen Erwachsenen und einem weiteren Kind.

Wie gesagt, am Anfang haben wir noch darüber gescherzt, dass es eine holprige Fahrt wird. Aber kurz danach ist uns das Lachen im Hals stecken geblieben und unser Leben am seidenen Faden zum Absturz bereit gewesen. An Stefans Gesicht konnte ich erkennen, dass es ihm auch nicht zum Scherzen zumute war.

Die Straße: unbefestigt, schottrig, ohne Leitplanken. Max. 1,5 Autos breit.
Links der Berg, rechts ein paar hundert Meter tiefer Abgrund.

Der Fahrer: auf der Flucht. Mit rutschenden Reifen, stets mit dem Hinterrad knapp am Abgrund vorbei.
Schnell. Waghalsig. Lebensmüde.

Selbst Luis, der als Kind ja oft die Gefahr noch nicht abschätzen kann, sagte, dass er totale Angst hätte. Wahrscheinlich hat er an meinen harten Griff um seine Schultern gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Es gibt wenige Momente in meinem Leben, wo ich wirklich richtig dolle Angst hatte, aber diese Stunde Fahrt am Rande des Abgrundes hat mich fertig gemacht. Felix hat sich auf meinen Schoss gelegt, um nicht rauschauen zu müssen. Stefans Gesicht war stark gestresst. In einem gefassten Moment habe ich von hinten nach vorn geschrien, dass er verdammt nochmal langsamer fahren soll. Und nachdem sich auch mein Vordermann zu mir umgedreht hat, um mir zu signalisieren, dass es leider immer so rasant zu geht auf diesen Fahrten, kam mir auch wieder in den Sinn, dass uns Gert, der deutsche Stadtführer aus La Paz, von diesen abenteuerlichen Fahrten berichtet hat. Auch in den Reiseführern wird davor gewarnt, weil es immer wieder zu schlimmen Unfällen kommt.

Das alles hatten wir einfach vergessen.

Und dann habe ich nochmal meinen ganzen Mut zusammengenommen und den Fahrer angeschrien, er soll jetzt endlich langsamer fahren, weil er für 12 Erwachsene und 3 Kinder die Verantwortung trägt. “Wir haben hier hinten Angst, verdammte Scheiße”!

Und dann hat er sich besonnen. Die Fahrt entschleunigt. Dann kam endlich die Asphaltstrasse.

“Selbst schuld, wenn ihr Euch auf so ein Abenteuer einlasst….”, hör ich es da aus dem Universum rufen. Klar, wissen wir auch, aber damit hatten wir einfach nicht gerechnet. Es hätte auch keine andere Möglichkeit der Rückkehr gegeben.

Eines steht fest: wir steigen nie mehr in so einen “fucking” Kleinbus ein.

Dieses Erlebnis und dass wir in dem einen Moment alle gleich gefühlt haben, hat uns noch ein bisschen näher als nah gebracht. Ohne Angst und Scham haben wir geweint, uns gehalten, die Augen zusammen gekniffen vor Angst und uns vor Erleichterung nach dem Aussteigen umarmt.

Heute, am Tag an dem ich diesen Beitrag schreibe, fast 2 Monate später, erfahren wir, daß oberhalb von Lima ein Bus mit 48 Menschen in den Tod gestürzt ist. Auf den Strassen Boliviens und Perus säumen Kreuze die Strassenränder. Nicht wie bei uns in Bayern mal eines oder zwei. Zumeist sind es mehrere, die davon zeugen, dass hier wieder ein Bus über die Klippen gesprungen ist, ein Fahrer in einer unübersichtlichen Kurve überholt oder eingeschlafen ist. Und wenn ich jetzt noch erzähle, dass wir vor 4 Wochen ein Erdbeben der Stärke 7,3 in unmittelbarer Entfernung miterlebt haben, dann könnte man wieder sagen: “Was fahrt ihr aber auch in solche Länder?”.

Im Nachhinein können wir darüber lachen. An dem Tag bin ich blass und mit schlotternden Knien aus dem Bus ausgestiegen.
Fast so wie damals in Costa Rica, als ich mit 2 Freunden und einer kleinen Propellermaschine notlanden musste. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Ich bin mir nicht sicher, ob wir in Europa an so vielen Stellen so unbekümmert hätten übernachten können. Abgesehen von dem Fahrverhalten, sind uns die Bolivianer, die Peruaner und die Chilenen sehr wohlgesonnen gewesen. Unglaublich Kinderfreundlich. Hilfsbereit. Interessiert.

Das Abenteuer geht weiter!

Wieviel Universum kann man aushalten ?

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Feb 9, 2018

Luis am Steuer. Die Zehenspitzen berühren knapp das Gaspedal. Ein Grinsen von links nach rechts. Ein Jungentraum wird wahr und das auf dem größten Salzsee der Welt. Wenn diese Autofahrt unendlich sein könnte, Luis und Felix würden die Option wählen.
Ich bin mit 3 Männern unterwegs (die zwei kleinen benehmen sich oft schon wie zwei große Alphatierchen…) und so gestalten wir unsere Aktivitäten im Verhältnis 3:1, wenn man die Themenschwerpunkte betrachtet! Es ist ein Heidenspaß, sie so glücklich zu sehen und ich bin froh an vielen Stellen die Verantwortung abzugeben und einfach nur dabei sein zu können. Die Oberverantwortung tragen Stefan und ich eh zusammen, müssen immer für vier denken und wachsam sein, so ist es schön, wenn wir (wie auch zuhause) unsere “Einzelverantwortungen” haben.

Nach wie vor ist Stefan Highländer über Fahrzeug, Technik und digital Support und ich für körperlich-seelische Belange, Ernährung und Kommunikation (lokal und global). Luis und Felix sind für Disco, Wissenserweiterung und Unterhaltung zuständig. Gerne fuschelt der eine dem anderen in den Verantwortungsbereich, da wir manchmal zu eng beieinander sind, aber im Großen und Ganzen behält jeder seinen Herrschaftsbereich.

An der unberührtesten Stelle vom Salzsee kratzen wir Kristalle von der Rückseite der Schollen und füllen unseren Vorrat auf. Fleur de Sal de Uyuni im roten Jutebeutel! Die Sonne scheint stark. Das weiß reflektiert brutal und nur schemenhaft sind entfernt Inseln oder Berge zu erkennen. Hätten wir kein GPS, wir würden der Fata Morgana auf den Leim gehen. Spuren sind zu erkennen. Aber: traue keiner Spur, deren Verursacher du nicht gesehen hast.

Die Nacht kommt und eröffnet uns ein weiteres Spektakel: Ein Meer aus Sternen und Kometen. Fern ab von jeglichem Lichtsmog. Stefan hat schon lange sein Equipment in Stellung gebracht. Mit der Dunkelheit kommen die Kälte und der Wind. Eingepackt mit Mütze und Handschuhe stehen wir wie berauscht und starren nach oben. Wir fühlen uns wie Ameisen. Und unweigerlich wird uns klar was “in Relation zu” wirklich bedeuten kann. Zu der Unendlichkeit über uns, gesellt sich eine unfassbare Stille um uns. Kein Rauschen, kein Knacken. Ein Einfaches “Nichts”! Wir sind nur ein Teil des großen Ganzen. Und wenn wir uns bis jetzt schon oft darüber Gedanken gemacht haben, ob es überhaupt Leben irgend woanders in diesem Universum gibt, so erscheint es uns jetzt fast überheblich, dass wir daran je gezweifelt haben.

Wir sind klein. Für das Universum unbedeutend. Für uns auf der Erde bedeuten wir die Welt. Wir sind das Wichtigste, was uns in unserem Leben begegnen kann. Wir für uns. Füreinander. Und wenn ich mich auch wiederhole: für unsere Familien und Freunde. Noch nie in meinem Leben bin ich mir dessen so bewusst gewesen. Natürlich bedarf es dafür keiner Reise, aber das Gefühl für meine Familie und für meine Freunde ist noch nie so stark gewesen wie zu dieser Zeit. Warum? Weil wir oft über Euch reden. Weil wir so schöne Rückmeldungen von Euch bekommen. Wir uns jedes Mal freuen von zuhause zu hören. Weil uns von Herzen wichtig ist zu wissen, wie es allen ergeht.

Und wie wir so dastehen, vor Kälte die Hände aneinander klatschen, kommt es uns “hirnrissig” vor wie sehr wir Dingen im Leben hinterher hecheln. Uns aufregen. Abarbeiten. Dem Alltag oder der Zukunftsangst erlegen sind. Hier wird uns nochmal ohne Worte erklärt, wie endlich alles Leben ist und wir verdammt nochmal nur in diesem einen Leben selbstbestimmt und ausgeglichen leben und genießen MÜSSEN. Keine Sorge ich werde nicht zur Esoterikerin mutieren und auch nicht in jedem Beitrag einen Weisheiten-Erkenntnis-Pegel hochschrauben. Aber manche Gedanken kommen, wenn man etwas mehr Zeit hat über die Dinge des Alltags nach zu denken.

Vielleicht sollten wir einfach immer weiterfahren? Die Kinder vom Leben lernen lassen? Günstiger als jetzt werden wir so eine Reise nicht mehr machen können. Eine Familie die wir getroffen haben, lebt nach dem Credo “Travelling is education, the rest is love”. Gefällt mir unglaublich gut der Spruch!

Manchmal platzt mir der Kopf weil sich Ideen, Bedenken und Gleichgültigkeit die Hand geben. Da jeder Tag eine andere Emotion/Faszination mitbringt und nicht die Beständigkeit des Alltags bietet, befinden wir uns auch was die Lebensplanung angeht, oft auf einer Achterbahn. In vielen Momenten wünschte ich mir meine Freunde hier. Zum Diskutieren, zum Zuhören, zum drüber nachdenken. Aber so sehr wir auch die eine oder andere Möglichkeit in Erwägung ziehen, so merken wir immer wieder wie sehr wir unsere Heimat lieben. Wie schön es ist gemeinsam an “Heimwehtagen” die tollen Vorzüge von zuhause auf zu zählen. Wir sehr uns das Gefühl beseelt, das liebe Freunde auf uns warten. Und wenn wir auch nicht religiös im Sinne einer Kirchenzugehörigkeit sind, so ist mein Glaube an das Universum, was es gut mit uns meint stärker denn je.

***
Manchmal wird mein Optimismus und mein Glaube jedoch sehr erschüttert und ich werde noch mehr darin bestärkt jeden Tag zu genießen, was mir natürlich nicht immer gelingt.
Eine liebe Freundin aus Köln ist kürzlich an Krebs gestorben. Sie war in unserem Alter. Wir haben sehr lange eng zusammengearbeitet und viele Stationen des Lebens voneinander miterlebt. Sie hinterlässt einen Sohn von 13 Jahren. Angefangen hat es letzten Sommer mit einer “harmlosen” Brustkrebs-Diagnose. Geendet mit einer unheilbaren Krebsform nur ca. 6 Monate später. Ihre Mutter selbst nach erfolgreicher Chemo aus dem Krankenhaus entlassen, muss nun ihre eigenen Tochter zu Grabe tragen…
Das ist so eine Situation, die mich echt erschüttert. Unsere Gedanken sind bei Nicoles Sohn, ihren Eltern und Freunden. Nicht nur der Verlust ist kaum zu ertragen, auch der Schmerz der anderen lastet schwer. Trotzdem ist es schön zu wissen, dass eine Freundin von uns noch ein paar Stunden vorher bei ihr im Krankenhaus war. Und warum, weil sie bestärkt wurde nix auf zu schieben. Diese letzten Momente mit zu erleben ist hart. Es wird schwer sein dieses Bild aus dem Kopf zu kriegen, aber liebe Anke, liebe Inga, seid Euch sicher, es hat Nicole sehr viel bedeutet eure Freundschaft bis zum Ende zu spüren. Ein echter Freundschaftsbeweis.

***

Auch wieder ein Teil unserer Reise. Die Gedanken und Nachrichten, die unsere Freunde betreffen. Neben meiner Familie der wichtigste Bestandteil meines Lebens. Teil des Leides und der Freude meiner Freunde zu sein. Und auch wenn es manchmal schwer ist das Leid zu teilen. Für mich gehört es zu einer richtigen Freundschaft dazu.

Am Ende des Lebens wird es einen schönen Teil meiner Erinnerungen ausmachen:
Teilhaber mancher Freundschaft gewesen zu sein!

Es sind knapp zwei Monate vergangen….

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Jan 11, 2018

…eine kurze Zusammenfassung

Sucre haben wir nach 3wöchigem Aufenthalt mit wertvollen Erfahrungen verlassen:

Die Jungs durften nachmittags in einem kleinen Fußballclub in der Nähe der Werkstatt mit trainieren was zwischenzeitlich eher an „Schuhplattler-Training“ im tiefsten Bayern erinnerte.

 

Wir haben alle 1 Woche Spanischkurs belegt  – Felix hat nun auch „symbolisch“ seinen ersten Schultag erlebt. Es war eine schöne Abwechslung zum Reisealltag und hat uns ein kleines Gefühl von Sesshaftigkeit gegeben. Ich persönlich habe besonders die Zeit „alleine“ mit meiner Lehrerin genossen, die mit mir viel über das Leben, die Bedeutung der Familie, Partnerschaften und Politik in Bolivien erzählt hat. Wir haben lecker “Papas relleneas” auf der Strasse gegessen und abends im Kochkurs zubereiten gelernt.

Und weil wir ja noch Wartezeit zu überbrücken hatten, haben wir unserem Bigfoot einen schönen Dielenboden eingezimmert.

Unseren aus USA eingeflogenen Fahrzeugcomputer, der leider im 500km entfernten Santa Cruz im Zoll festgehalten wurde, musste ich persönlich mit Inlandsflug rausholen. Hat mich 2 Tage Nervenkampf mit den Zollbeamten und 1 Nacht in Santa Cruz City gekostet. Aber auch das hat, mit 1 Monat Abstand, gut geklappt.

Unser Auto, ich kann euch beruhigen, hat nach 2 weiteren kleineren, aber dafür Augen öffnenden Zwischenfällen, seine Bestform zurückerhalten. Nun wissen wir, dank 3 sehr versierten Mechanikern aus der chilenischen Wüste, was der leider nicht so versierte Mechaniker in Sucre vergessen hatte: sämtliche auseinander gerupften Steckverbindungen, zur Lokalisierung oder besser gesagt zur Überspielung seiner eigenen Fehler, wieder ordentlich zusammen zu stecken.

Gemeinsam können wir nun allen noch so weit von der Zivilisation entfernten Locations mit Gelassenheit entgegen fiebern: Stefan der nun ein Diplom in der Lokalisierung von Ford-Fehlermeldungen hat und ich, die einen fundierten spanisch Automechaniker-Wortschatz erlangt hat.

Unser Auto ist die Basis von allem: unser Fels in der Brandung, unser Zuhause, unser Kinosaal, unsere Küche, unser Spiel- Wohn- und Schlafzimmer. Wir haben zwar mehr Geld reingesteckt, als wir geplant hatten, aber dafür haben wir seinen Wert nun gut gesteigert. Er hat eine Power, die uns bis über 5.000 Meter problemlos hinaufbringt. Es gab bis jetzt keine zu steilen Hänge und keine zu rutschigen Abfahrten. Wir haben noch jede Spitzkehre gemeistert. Und nachdem wir viele andere tolle Expeditionsfahrzeuge gesehen haben, bleiben wir dabei: Wir haben genügend Platz und können gescheit Kochen. Alles in allem sind wir immer noch super zufrieden mit unserem Bigfoot.

 

 

 

 

Und damit das auch in Zukunft so bleibt, haben wir unserem Bigfoot zu Weihnachten eine schöne Segnung gegönnt:

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Der Tod, die Trauer, die Feier

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Nov 20, 2017

Der Tod kam, auch wenn ich ihn erwartet hatte, mit großer Wucht. Er hat mich gelähmt, zum Weinen gebracht, hat Erinnerungen an gute und nicht so gute Zeiten im Gepäck gehabt, mir Fragen gestellt und Antworten gegeben. Vor allem aber hat er mir wieder gezeigt wie endlich unser Leben ist und dass es nichts aufzuschieben gibt.

Ich wollte eigentlich über unseren Alltag in Bolivien schreiben. Unsere Zeit in Sucre. Bunte Bilder, fröhliche Gesichter, pralle Früchte und Gewusel auf den Märkten.

Da wir aber auf dieser Reise, wie in Deutschland auch, einen Alltag haben, der nicht immer nur rosig ist, möchte ich dieses für uns einschneidende Ereignis mit Euch teilen. Der Tod ist somit auch Teil unserer Reise. Unseres Alltags. Und er betrifft uns alle. Jeden etwas unterschiedlich. Meine Stiefmutter Waltraud, Stefans Schwiegermutter, Felix und Luis seine Oma ist gestorben. 2 Wochen ist es her. Und es hallt nach. Das wird es noch lange tun.

43 Jahre haben wir uns begleitet. Eine lange Zeit.

Sie ist an Krebs erkrankt und dank ihrer immer optimistischen Haltung hieß es lange: sag allen es wird gut. Im Sommer war dann klar, dass es keine Hoffnung mehr auf Heilung gibt. Unsere Verabschiedung vom letzten Familienfest vor unserer Abreise, sollte die letzte sein. Ein letzter bewusster Kontakt. Die letzte Möglichkeit, persönlich anwesend, etwas zu sagen. Wie macht man das „sich verabschieden“? Es gibt keine Antwort darauf, das muss jeder für sich entscheiden. Alles ist richtig: Ein Gespräch. Eine Umarmung. Ein Dankeschön. Schöne Worte für die letzte Reise. (Diesen Satz hat mein Bruder gesagt und ich finde ihn sehr zutreffend).

2 Tage vor ihrem Tod haben wir noch telefoniert. Ein letztes Mal uns angeschaut. „Ich habe ein erfülltes Leben gehabt“, hat sie gesagt. Für uns bleibt eine Lücke. Weil sie einfach nie wieder zurückkommt. Auch wenn wir darauf vorbereitet waren, auch wenn sie friedlich eingeschlafen ist. Mein Vater bei ihr sein konnte. Der Tod bleibt ein Mysterium. Ein irreversibles Ereignis.

Eine Erfahrung, die wir im Leben machen, die uns immer wieder zeigt: es gibt nichts auf zu schieben. Nicht das, was wir sagen wollen. Nicht die Umarmung, die wir uns nicht getraut haben zu geben. Nicht das Gespräch, welches wir schon lange führen wollen. Nicht die Reise oder den Ausflug, den wir schon lange machen wollen. Nicht die Entschuldigung, die schon längst überfällig ist. Nicht der Moment für mich, den ich so dringend brauche.

Mein einschneidenstes Erlebnis zum Thema Tod ist mir vor vielen Jahren widerfahren und erklärt noch besser, warum ich über diese Dinge schreibe. Während eines Aufenthaltes bei meinen Eltern in Krefeld, erzählte mir meine Stiefmutter, dass es der Mutter des besten Freundes meines Bruders nicht gut geht. Sie war an Krebs erkrankt und lag im Krankenhaus. Ein Impuls. Ein Bauchgefühl. „Frag sie doch mal, ob ich sie besuchen darf. Oder ist das komisch, weil ich sie jetzt schon so viele Jahre nicht mehr gesehen habe?“ Für sie war es nicht komisch. Sie war einverstanden.

Es war für mich Herz zerreißend. Kaum auszuhalten. Sie im Bett liegen zu sehen. Diese vorher im Leben so pralle, lustige Person, mit dem einnehmenden Lachen. Eine Frohnatur. So habe ich sie kennen gelernt. Nun war sie durch die Krankheit stark gezeichnet. Ihr Mann war bei ihr. Irgendwie habe ich mich unwohl gefühlt. Aber das war mein Problem. Sie hat gelächelt. Sie hat sich gefreut. Sie hat sich nicht unwohl gefühlt. Was gibt es da zu sagen? Nix, außer ihr auch mein Lächeln zu schenken. Kurz vor ihrer letzten Reise. Auf dem Weg nach draußen begegnete ich ihren 3 Kindern. Und soweit ich mich richtig erinnere, ist sie in dieser Nacht gestorben.

Es gab nichts auf zu schieben. Nur diesem Impuls zu folgen. Ohne Wenn und Aber. Manchmal müssen wir uns zurücknehmen. Das Leben aushalten. Und noch dieses eine Lächeln verschenken.

Es war der Abend bevor meine Omi gestorben ist. Der Abend vor unserer Abreise nach Paris. Lange geplant. Dann wie immer der Vorabend-Packstress! „Ich fahr doch nochmal zur Omi ins Krankenhaus nach Starnberg“. Wieder ein Bauchgefühl. Sie lag schon palliativ. Aber wir hatten schon so oft geglaubt, dass es vorbei sei und immer wieder hat sie sich berappelt. „Frau Winterstein, haben sie noch einen letzten Wunsch?“ Da hat’s mir schon die Kehle zugeschnürt. Was? Letzter Wille oder was? „Ein Bier bitte“ sagt meine Omi mit einem Fuß schon in den ewigen Jagdgründen. Unverbesserlich! Mit der Schnabeltasse hat sie noch ein paar Schlückchen Bier im Liegen getrunken. Und obwohl ich die Situation absurd fand, hatte ich das Gefühl, dass es jetzt an der Zeit wäre für die letzten Worte. Es war furchtbar schwer, sich für all die schönen Jahre zu bedanken. Ist das nicht auch absurd? Es sollte mir doch leichtfallen. Ist es auch, weil es ein Bedürfnis war, aber die Situation war nicht so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Auf dem Nachbarbett saß eine Frau mittleren Alters, die sehr unsensibel laut in ihr Mobiltelefon schrie, dass sie morgen entlassen werden würde. Das war eigentlich absurd.

Aber gibt es im Leben nicht immer diese Situationen, die wir uns “eigentlich” anders vorgestellt hatten? Umstände, die wir gerne als Vorwand dafür nehmen, warum wir jenes oder welches nicht gemacht haben. Manchmal werden wir es bereuen. Manchmal vielleicht nicht.

Menschen, die auf Palliativstationen arbeiten, erzählen oft davon wie klar, direkt und ehrlich die Menschen kurz vor ihrem Tod sind. Meine Schwägerin und die Mutter einer Schulfreundin erzählten mir davon. Hochachtung vor den Menschen, die diese Arbeit leisten. Sie berichteten auch davon, was manche bedauerten. Es hat mich unglaublich beeindruckt. Aber schade, dass es erst am Ende des Lebens ist, oder? Wäre es nicht schön, wenn wir uns schon zu Lebzeiten öfters trauen würden? Wenn wir die uns lieben Mensch teilhaben lassen an unserem Leben? Wenn wir darüber reden können, was uns auf dem Herzen liegt? Ohne Eingeschnappt sein und ohne Ressentiments?

Wir alle haben ein Bauchgefühl. Diesen Impuls. Die Möglichkeiten. Jeder wird sich an mindestens eine Situation aus dem Alltag erinnern. Wir wollten etwas tun. Waren dabei es auf zu schieben. Haben es dann doch gemacht. Wie gut ging es uns danach!

Und so hat uns diese Nachricht hier in Sucre in Bolivien per Facetime erreicht. Da ich mit meinen Eltern schon vor der Reise über diesen Moment gesprochen hatte, bin ich hier geblieben und nicht zur Einäscherung geflogen. Auch wenn es mir schwerfällt nicht dabei zu sein.  Aber ich weiß meinen Vater in liebevoller Gesellschaft meiner Geschwister und unserer großen Familie. An dieser Stelle möchte ich einen Dank an meine Eltern aussprechen. Sie sind schon immer sehr offensiv mit dem Thema Tod umgegangen. Mir persönlich hat diese Auseinandersetzung sehr geholfen.

Ich kann verstehen, wenn viele nicht gerne über dieses Thema sprechen wollen. Aber der Tod ist nunmal Teil unseres Lebens. Er gehört zum Alltag. Je älter wir werden, desto mehr.

Und wie es im Leben manchmal so spielt, passieren die Dinge auf einmal. Und neben der Freude, gesellt sich das Leid, damit daraus wieder etwas Schönes entstehen kann.

Seit 3 Wochen sitzen wir in Sucre…fest! Das Auto macht keinen Piep mehr. Wir campen im hinteren Teil einer Auto/Motorrad-Werkstatt. Man könnte auch sagen „auf dem Schrottplatz“. Eigentlich stand nur eine harmlose Reparatur an. Danach und 3 Mechaniker weiter ging gar nichts mehr. Ob es nun Zufall war oder ein von ihnen verursachter Kurzschluss im Fahrzeugcomputer ist am Ende auch egal. Wir sitzen auf alle Fälle fest.

 

In der ersten Woche standen wir permanent auf Abruf. In Abwarte- und Hinhalte-Position. Bolivien-freundlich ausgedrückt.

In der zweiten Woche waren wir verzweifelt. In Schockstarre wegen der Nachricht vom Tod meiner Stiefmutter. Unpässlich zueinander. Leicht gereizt. Erst E.T. konnte uns an einem lauschigen Wochenendabend mit Popcorn aufmuntern.

Und dann ging es bergauf. Aber das erzähle ich im nächsten Bericht.

Wenn ich an den Ärger mit den Mechanikern denke und unsere Verzweiflung der vorletzten Woche, dann hab ich ein Lächeln auf dem Gesicht. Weil im Nachhinein alles leichter erscheint.

Wenn ich an meinen Vater denke, der trotz des großen Verlustes, seinen gute Laune nicht verliert und für uns immer noch ein Lachen auf dem Gesicht hat, dann schicke ich ihm auch ein Lächeln. Ein Lächeln für meine Stiefmutter. Ein Lächeln für meine Geschwister und den Rest der Familie, die heute gemeinsam Abschied nehmen. Ein Lächeln für all meine lieben Freunde, die mich in meinem Leben begleiten. Ein Lächeln für meine tollen Freundinnen. “Ihr Lieben, ich vermisse unsere Mädelszeiten sehr.” Ein Lächeln für den Alltag, der mich manchmal wahnsinnig macht. Auch auf dieser Reise.

Und ein Lächeln, weil ich ihn gefunden habe. Den Moment für mich.

 

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Senores Weilhin Landatsamt, Albania

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Okt 29, 2017

Grenzübergang nach Bolivien bei 40 Grad im Schatten. Situationen die so oder ähnlich im Akkord ablaufen:
Bolivianische Männer und Frauen mit kleinen Kindern im Arm.
Unscheinbare Tüten oder nur einen kleinen Rucksack auf dem Rücken tragend.
Sauber und sehr ordentlich angezogen, von der Erscheinung her eher indigen.
Sie stehen geduldig in der Schlange, um nach Brasilien einreisen zu können.

„Was willst Du in Brasilien?“ fragt der brasilianische Immigrationsbeamte
„Meine Verwandten besuchen!“ – der Dialekt ist kaum zu überhören.
„Was ist dein Beruf?“
„Student.“
„Zeig mir Deinen Studentenausweis?“
„Den habe ich grad nicht dabei“.
Der Immigrationsbeamte schmunzelt den jungen Mann durch das Panzerglas an.
„Und wie lange willst du bleiben?“ fragt er ihn, schaut dabei aber seinen Kollegen an.
„10 Tage“
„Und Wieviel Geld hast du dafür dabei?“
„….Keines….“
„Tritt zur Seite“ antwortet der Beamte mit einem genervten Blick.

„Nächster Bitte“ !

„Was willst DU in Brasilien?“, fragt der Beamte nun den nächsten Bolivianer.
„Meine Verwandten besuchen!“ erwidert dieser mit viel zu leiser und sehr schüchterner Stimme.
„Was ist denn DEIN Beruf?“
…nicht zu verstehendes Genuschel…
Der Beamte ignoriert die Antwort, weil er sie eh zu kennen scheint.
„Wie lange willst du bleiben“?
„1 Monat“
„Und Wieviel Geld hast du dafür dabei?“
„Keines“
„Dann tritt zur Seite“

„Nächster Bitte“!

Es ist nicht einfach nach zu vollziehen, was in diesen Menschen nach solch einer Abweisung vorgehen muss. Es bewegt mich die verzweifelten Gesichter zu sehen und ein weiteres Mal bin ich dankbar dafür, dass ich Spanisch spreche, um ein bisschen zu verstehen. Ob es richtig oder falsch ist, kann ich natürlich nicht beurteilen, dafür kenne ich die Hintergründe nicht und weiß nicht welche Auflagen der Beamte zu erfüllen hat. Bestimmt auch kein einfacher Job. Natürlich ist es wieder nur ein europäischer Blick von draußen auf eine Situation. Aber mein Gefühl und die enttäuschten Blicke der Menschen sagen mir, dass sie hier und jetzt keine eigene und freie Entscheidung treffen können. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals von irgendeiner Grenze abgewiesen worden zu sein…

Es ist uns ein Anliegen den Kindern solche Situationen zu erklären. Nicht einfach. Die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft der Länder sind komplex. Wir haben eine Sicht von außen und verweilen zu kurz, um mehr Einsicht zu bekommen. Ich bezweifle, dass man als Ausländer jemals verstehen wird. Wir lesen zwar viel über das jeweilige Land, das wir berreisen, dennoch sind wir durch unser Demokratie-Verständnis geprägt.

Was ist der bolivianische Präsident Evo Morales für ein Mensch? Unser Bild setzt sich zusammen aus dem was wir beobachten, was wir hören und lesen. Seine Herkunft, sein Werdegang, seine Anfänge als Präsident, seine Projekte – wir hören unterschiedliche Meinungen. Wie immer hängt es davon ab, wie sehr man von politischen Marschrichtungen und Entscheidungen betroffen ist, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt  und von einigen anderen Faktoren.

Ich bin überrascht wie sehr Luis an solchen Themen interessiert ist. Die langen Fahrten im Auto nutzen er und Felix, um Stefan nach allen möglichen Themen aus zu fragen. Kriege, Staatsformen und Naturkatastrophen stehen ganz oben in der Beliebtheitsskala.

Ich sitze hinten, lausche und denke mir oft: „Wenn mir in der Schule das mal jemand so erklärt hätte“. Stefan überrascht mich immer wieder mit seinem Wissen.

 

 

Aguas Calientes  – Lufttemperatur 35 Grad, Wassertemperatur 38 Grad – Ein See so warm wie eine Badewanne

 

Bolivien macht uns richtig Spaß und bietet genau das was wir gerne mögen.

In jedem kleineren Ort gibt es einen Mercado Campesino wo wir von Bauern das heimische Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Eier kaufen. Nach den Hyper-, Super-, Mega- und Maxi-Supermärkten im Süden Brasilliens eine große Bereicherung und für mich ein Genuss, von dem ich nicht genug bekommen kann.

Wir sind vor unserer Einreise nach Bolivien immer wieder (und gerne ungefragt) über die zurückhaltende, zum Teil anscheinend unfreundliche und „gefährlichen“ Art der Bolivianos „aufgeklärt“ worden. Unsere Erfahrung deckt sich ganz und gar nicht damit. Wir werden sehr freundlich empfangen, natürlich mit mehr Zurückhaltung als in Brasilien. Auch die Polizeikontrollen, bis jetzt waren es nur zwei halbherzige, waren uns wohl gesonnen. Weiter hoch in den Anden, in touristisch stärker frequentierten Teilen des Landes oder in weiter abseits gelegenen Orten kann sich das natürlich noch ändern. Aber wie immer halten wir uns an das Sprichwort „So wie man in den Wald hinein ruft…“.

Wir frühstücken hin- und wieder an kleinen Straßenständen, essen Hühnersuppe, trinken Alfalfa- oder Chiawasser, gönnen uns kleine Maissnacks, essen vollwertigeres Brot und freuen uns über frischen Spinat, Bohnen und Salat. Natürlich gibt es nicht alles in jeder Gegend. Wir passen unseren Speiseplan wieder an die Gegend an.

Auf unserem Weg nach Sucre, einer der zwei Hauptstädten Bolivien, durchqueren wir mehrere Klimazonen und erreichen zügig eine Höhe von 3.000 Metern. Wir entscheiden uns gegen die gängige Jesuitenroute und wandeln lieber auf den Spuren von Che Guevara abseits der Hauptroute. Mit unseren vier neuen Goodrich Reifen fühlen wir uns sicher genug 1 Woche durch die Berge über holprige Pisten und schwindelerregende Wege zu fahren. Wir danken unserem Bigfoot jeden Tag. Ein Traum für jeden Offroad Liebhaber. Die 3 Jungs in der ersten Reihe sind begeistert.

Samaipata, Wasserfälle – ein erfrischender kleiner Traumplatz

In La Higuera , dem Ort in dem Che sich versteckt hielt, verraten und nicht weit davon erschossen wurde, bleiben wir nur eine Nacht. Die Häuser der „Telefonista“ sind wirklich mit viel Liebe zum Detail von einem französischen Paar wiederhergestellt worden. Es gibt tolle s/w-Bilder zu sehen. Wir können nur erahnen was für ein wahnsinniger Kraftakt die Restaurierung, in diesen Bergen war – wirklich fern ab von jeglicher Zivilisation. Die Besitzer sind sehr nett und ihr 7jähriger Sohn freundet sich schnell mit Felix an. Dennoch liegt uns zu viel Imperialismus, Kommunismus und Anti-Globalisierungsgedöns in der Luft. Ja, wir sind auch für Vieles und gegen Anderes, aber die nette Unterhaltung mit dem Besitzer zeigt schnell, dass unsere Meinungen darüber weit auseinanderdriften. Es war auf alle Fälle die Mühe der Strecke wert. Geschichte live erlebt, bleibt den Kindern allemal besser in Erinnerung.

Das Thema „Tanken“ ist in „Overlander-Kreisen“ beliebt. Ihr müsst wissen, dass in Bolivien der Treibstoff für Einheimische subventioniert ist und ca. 3,74 Bolivianos kostet – ca. 50 Cent. Ausländer zahlen, vom Staat verordnet, mehr als das Doppelte. Offiziell 8,80 Bolivianos – über 1 Euro. Da kann man sich jetzt drüber aufregen oder sich für die Einheimischen freuen oder jemanden vor der Tanke ansprechen, der einem dann für den lokalen Preis 25 Liter im Kanister besorgt.

Wer wo und wann für wieviel Bolivianos und welche Mengen an Diesel kaufen konnte, hat sich zu einem Overlander-Volkssport etabliert. Diejenigen, die mit dem Superlativ Typ „LKW“ unterwegs sind, wissen zu schätzen, dass man außerhalb der Städte problemlos auch ohne Kanistertheater für den lokalen Preis tanken kann. Wir haben bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht und uns über die folgende kleine Anekdote gefreut:

An manchen Tankstellen, wird ein Ausweis verlangt, um die ID auf der Rechnung zu vermerken. Da wir aus diversen Gründen gewöhnlich nur unseren Führerschein zeigen, trägt der nette Tankwart keine Nummer sondern folgenden neuen Namen für Stefan ein:

Und weil es so viel Spaß macht: der finale BF Goodrich Reifen Wechsel hinter der brasiliniasch-bolivianischen Grenze!

Highlights der letzten Etappen in Brasilien

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Okt 21, 2017

Oscar Niemeyer Museum in Curitiba

Das imposante Gebäude, die auf den ersten Blick nüchterne aber dennoch so emotionale Bauart, die Geschichte und die Philosophie von diesem Architekten hat uns sehr beeindruckt. „Geschwungen wie die Wellen des Ozeans, sinnlich wie der Körper einer Frau“ eine Architektur wie eine Philosophie. Kein Wunder, dass ihm der Satz von diesem Philosophen gefallen hat: „Der Verstand ist der Gegner der Vorstellungskraft“ (Heidegger)

 

Iguazu Wasserfälle und der Vogelpark Des Aves

Im 3-Ländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay liegen die beeindruckenden Wasserfälle, die sowohl von brasilianischer als auch von argentinischer Seite zu bewundern sind. Seit 1984 UNESCO-Welterbe. Der Vogelpark direkt daneben hat uns weitaus mehr Spass gemacht. Hier geht es weniger darum die Tiere zooähnlich zur Schau zu stellen, als vom Aussterben bedrohte Arten zu erhalten, zu züchten und für eine erneute Auswilderung zu trainieren.  Des Weiteren ist es eine Art Kranken- und Rehabilitationseinrichtung für verletzte Tiere. Tukane und blaue, grüne und gelbe Papagaien so hautnah zu erleben ist ein Erlebnis. Leider ist das Umweltbewusstein der Brasilianer unterschiedlich stark verbreitet (vorsichtig ausgedrückt), sodass sowohl der Müll als auch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume ein riesen Problem für die Flora und Fauna darstellen. Ein vielschichtiges  Thema, welches wir auf der Reise oft diskutieren.

 

Werkstätten

Unser Bigfoot bekommt viel Aufmerksamkeit. Auch wenn wir am Anfang etwas genervt von den Reparaturen waren, so wissen wir nun die rechtzeitige Instandhaltung des eigenen Fahrzeuges zu schätzen. Alle „Overlander“ können von diversen Werkstatt-Aufenthalten berichten, da die Strassen, Pisten und das Klima eine außergewöhnliche Belastung für die Fahrzeuge darstellen. Wie ich in meinem letzten Blog schon erwähnt habe, gibt es auch hier einen Superlativ: Andres, ein sehr netter  Chilene, campt in seinem alten VW bus bereits seit 3 Wochen in der Werkstatt. Als Gegenleistung für eine komplette Motorinstandsetzung hat er mit seinem Kumpel den gesamten Hof der Werkstatt von Schrott und Müll befreit. Das hat der Besitzer als Anlass genommen, um Wände streichen zu lassen und seinen Werkstattboden zu erneuern. Sie wirkten bereits wie eine große Familie. Danke Ze Carlos & Kollegen von “Tres Frontiers” in Foz , wir haben uns sehr fair behandelt gefühlt. Eine Top Adresse!

 

Bonito

Der Ort zeichnet sich durch nachhaltigen Öko-Tourismus aus und hat ein paar versteckte Naturparadiese zu bieten. Schnorcheln im glasklaren Wasser, imposante Höhlen zum Abseilen und erfrischende Wasserfälle. Wir entscheiden uns für die günstigen und mit kleinen Kindern realisierbaren Varianten. Es ist heiss, bei z.T. 40 Grad. Die Moskitos lieben deutsches Blut und auch die Ameisen wissen Krümel im Kühlschrank, im Bett, hinterm Herd und am Fenster zu schätzen. Das Klima fordert uns heraus. Was wir besonders zu lieben gelernt haben:  eisgekühlte frische Kokosnüsse. Wir sind dankbar für unseren Kühlschrank!

 

Südliches Pantanal

Die Beschreibungen im Dumont Führer haben Luis Erwartungen ins unendliche hochgeschraubt. Eine tierische Erfahrung wie in Afrika hat er sich vorgestellt. Kaimane, Papagaien und unzählige Vögel können da nicht mithalten. Wegen der extremen Hitze entscheiden wir uns deswegen gegen eine 3-tägige Tour mit unserem Bigfoot auf einem Boot den Fluss hinauf nach Porto Jofre. Das nördlichen Pantanal würde uns bestimmt ein besseres Dschungelfeeling bescheren, aber die Anstrengung erscheint uns für alle zu groß.

 

Motorradtreffen in Corumba

Verschwitzt treffen wir in der Grenzstadt zu Bolivien spät abends in einem Hostel auf einen sehr netten Motorradclub. Bergmann Dominguez treffen wir am nächsten Tag in seiner Werkstatt in Bolivien wieder. Er besorgt uns 2 günstige Goodrich Reifen und ein paar tolle Insidertipps gratis dazu. Am Ende der Brasilientour haben wir letztendlich alle 4 Reifen durch BF Goodrich AT Reifen ausgetauscht. Eine wirklich lohnenswerte Investition. Wir sind mit ihnen bereits 6 Monate quer durch Afrika ohne Platten gereist – jetzt können wir guten Mutes die Anden in Angriff nehmen.Wir treffen Bergmann Dominguez und seine Freunde zwei Tage später durch Zufall wieder. Ein gemeinsames Mittagessen, ein paar nette Wünsche und herzliche Umarmungen. Diese Begegnungen sind für mich neben den Attraktionen die schönsten Erlebnisse auf so einer Reise.

Himmel, Arsch und Zwirn

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Okt 21, 2017

Möchtest du vielleicht auch auf eine längere Reise gehen? Alleine oder mit Deiner Familie? Dann überleg dir schon mal in welcher besonderen Mission DU oder ihr unterwegs sein wollt. Einfach so mal ein Jahr Auszeit nehmen, kann jeder. Heutzutage sollte Dein Vorhaben mindestens einen Superlativ beinhalten, wenn Du nicht vegan, öko, eco, fair oder nachhaltig unterwegs sein kannst, dann aber doch bitte mit ein paar anderen USP´s !

Es gibt schon komische Dinge die einen unter Druck setzen können. Am Anfang der Reise war es ein bisschen das „wir könnten noch lässiger sein“- Gefühl. Ihr versteht nicht wovon ich rede? Ich will es Euch gerne erklären.  Wenn ich dabei ein bisschen ironisch oder auch sarkastisch werde, dann verzeiht mir meine Ausdrücke – auf dem Weg zur Erkenntnis sind alle Mittel recht.

Du planst eine Reise. Fühlst dich schon wie ein Hero, weil fast alles so klappt wie geplant.  Startest mit deinem „Humboldt Gefühl“ am anderen Ende der Welt und dann mit zunehmender Reisedauer und kunterbunten Begegnungen hast du das Gefühl einer Belehrung. Oder einer Erkenntnis, dass es für alles krasse Steigerungen gibt oder genauer gesagt, dass wir die absoluten Spießer unter den Abenteurern sind.

Während wir anfänglich schon zu viert mit dem Platz, der Nähe und dem neuen Alltag zu kämpfen hatten, startest DU am besten direkt mit doppelt so vielen Kindern, halb so viel Platz und unendlich viel Zeit. “Slow travelling” und “easy going” vom Feinsten heisst die Devise.

Zu sechst im 30 Jahre alten VW Bus mit Hund und Katze ist wirklich das Mindestniveau für einen hippen Nomaden. Und wenn Du nicht schon auf Rawfood oder Sonnenlicht umgestellt hast, dann kochst du als Flexi oder Paleo auch nicht mehr auf einem kleinen zwei Flammen Gasbrenner, sondern schleppst direkt deinen kompletten Herd inkl. Backofen mit dir rum. Den kannst du dann nämlich an besonders geilen Plätzen in die aus Treibholz gezimmerte Außenküche integrieren.

Ach so, das machst du natürlich nur, wenn du nicht nur 1 Jahr unterwegs bist. Nein, wer was auf sich hält, der reist mindestens fünf am besten gleich zehn oder Königsklasse, 16 Jahre durch die Welt und bleibt dann auch mindestens ein paar Monate am gleichen Fleck, damit du neben der offiziellen Landessprache auch den lokalen Dialekt inhalieren kannst.

Die Kinder werden natürlich nicht mit einer Pfurz normalen Schule belästigt. Waldorf war schon zu Hause Mindestniveau, beschult wird heute „on the road“ von der eigenen unendlich allwissenden und immer die Ruhe bewahrenden Über-Mutti, die neben dem veganen Mittagessen, im Lotussitz auch noch den Traumfänger und die Bettdecke aus BioHanf klöppelt. Wenn du aber deine Kinder mit ihren wirklichen Begabungen in Kontakt treten lassen möchtest, dann wirst du sie auf alle Fälle „unschooled“ lassen, denn im Grunde genommen ist alles andere nur Diktatur.

Was, du machst kein Yoga und trinkst noch Alkohol ? Tja, dann wäre es doch Zeit für einen Therapeuten oder am besten gleich ab in die Klinik.

Ach was rede ich da, wichtig sind doch einfach nur die tollen Momente, die man auf einer Reise gemeinsam erleben, besprechen und sich danach noch einmal gemeinsam über den Diaprojektor anschauen kann… Wenn ich gekonnt hätte, so hätte ich bei den Iguazu Wasserfällen gerne dem einen oder anderen Touri seinen Selfiestick wahlweise übers Geländer geworfen, quer durchs Gesicht gezogen oder rektal hinten reingeschoben. Da waren mir doch vor 10 Jahren die leise kichernden Asiaten mit ihren Regenschirmen wirklich lieber.

Martin Parr hätte seine helle Freude an den absurdesten Situationen gehabt:  sich in Pose schmeißende, voll aufgepimmte den anderen Besuchern ihre Ellenbogen in die Flanken rammende Sightseeing Junkies jeglicher Couleur. Anfänglich trotteln die Kollegen noch mit herunterhängenden Mundwinkeln vom Parkplatz zum Ort des Geschehen, um dann mit fast erschreckend perfekt eingespielter Performance Augen, Nasenlöcher und Münder auf zu reißen, als wäre ihnen gerade ein Schreck durch die Glieder oder ein Skorpion an den zusammen gekniffenen Hintern gesprungen. Das eine oder andere Mal hätte ich fast „do you feel allright?“ aus lauter Sorge gesagt. Wenn der Bühnenreif inszenierte Auftritt abgehakt ist, trottelt man wieder gemeinsam mit seinem im Regenmantel eingewickelten Chihuahua und vor Erschöpfung nun erschlafften Mundwinkeln zurück. Lässt dann noch ein bisschen Müll hier und da fallen und schnippt den Zigarettenstummel mit Aussicht auf einen Waldbrand ins trockene Unterholz. Wichtig ist vor allem, dass die Pseudo-Schauspieler alles sofort online stellen und sich den 0-8-15 Abenteuer-Spießern somit voll in den Weg und in die Sicht stellen.

Die von mir gerade beschriebenen Mitmenschen, waren keineswegs die Weltenbummler aus dem Guinessbuch der Rekorde. Das waren nur die 0-8-15 Touristen.

Der moderne Weltenbummler führt sich so natürlich nicht auf. Er bewertet nicht, ist totally relaxed und findet alles amazing, ist blown away und verweilt nur kurz, weil er eh schon alles vom Top Secret Platz auf der anderen Seite gesehen hat. Das hat er dir Abenteuer-Spießer natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen gegeben, weil du arme Sau das wirkliche Schauspiel leider verpasst. Er fährt aber auch ein Fahrzeug mit dem er im 90 Grad Winkel am Berg parken kann, um dort von seinem Roof Top Tent mit seinen 6 Kindern und Hund und Katze mit der GoPro im selbstgebastelten Flying Fox hinter die Wasserfälle fliegen kann.

Hatte ich schon von solchen Fahrzeugen berichtet?

Wenn du, von You tube Videos angeleitet, nicht mindestens einen 30 Jahre alten VW Bus namens Samba oder Bulli pinterestmässig perfekt ausbauen kannst, dann entscheide Dich bitte für einen 7,5 Tonner – drunter geht nix. Wahlweise mit schalldichter Kabine, 3 Ersatzreifen und mindestens 3,5 Meter Höhe. Solarpaneele, Biotoilette und Fußbodenheizung sind Standard. Wenn Du völlig autark sein willst, dann hast du auch noch dein „homegrown“ und deine Wasch- und Spülmaschine dabei.

Manchmal kann ich mich dem Gefühl nicht verwehren, dass man heute kaum noch „gut genug“ ist, weil es wirklich immer jemanden gibt, der alles besser oder toller kann oder macht. Natürlich war das schon immer so. Und auch die Tatsache, dass man sich heute online und überall im internationalen Vergleich sieht, ist keine Neuigkeit.  Dennoch finde ich, obwohl oft selbst genau gleich agierend, den Weltenbummler und digitalen Lifestyle ein bisschen bizarr.

Wir sind auf Reisen, aber dennoch nicht wirklich weg. Wenn ich früher noch toll fand, für den Rest der Familie verschollen zu sein, weil von mir für lange Zeit kein Signal ausgesendet wurde, so mag ich heute den zigsten Werkstattaufenthalt per WhatsApp mit einem Kommentar an meine Geschwister senden und am liebsten öfter mit den Eltern telefonieren. Vielleicht heute mehr aus der Sorge heraus, dass es ihnen gut geht.

Nur meine Mutter schafft es noch sich dem zu entziehen und ist nur per Postkarte zu erreichen.
Mami, wenn du das bei Deiner Freundin (die Internet hat) liest: es geht uns gut!

Oft fühle ich mich außen vor, obwohl ich mitten drin bin. Meistens fühle ich mich jedoch mitten drin, obwohl ich wahrscheinlich völlig außen vor bin. Zum Glück ist mir der letzte Zustand dann nicht bewusst.

Wenn ihr jetzt das Gefühl habt, dass ich einen an der Klatsche habe so einen unmöglichen Text zu schreiben, dann habt ihr zu 100 % Recht. Nach zwei weiteren Tagen in der Werkstatt, einigen Mückenstichen an den Beinen und 2 Caipirinha intus, kann man sich so etwas Unmögliches, im knappen Bikini ganz ungeniert am Pool sitzend, von der Leber schreiben. Vielleicht habe ich auch bei dem einen oder anderen Detail „etwas“ übertrieben. Ich kann euch aber versichern: Es hat herrlichen Spaß gemacht diesen Text zu schreiben.

PS: Sollte sich der eine oder andere hier zu Unrecht angesprochen fühlen, dann nehmt es bitte mit Leichtigkeit und einem Augenzwinkern. Vielleicht schwingt auch unterschwellig ein bisschen Neid und Bewunderung bei meinen Beschreibungen mit. Auf alle Fälle will ich damit zeigen, wie verrückt die Menschen sein können, die man auf so einer Reise trifft und gleichzeitig wie viel Spaß es macht, die Welt mit wachsamen Augen zu bereisen.

Opa, Schornstein und Eisenbahn

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Okt 14, 2017

Die Brasilianer machen uns das Reisen leicht. Die Gelassenheit, ihre Freude, die überall an zu treffende Hilfsbereitschaft und das immerwährende „bom dia“ und „tudo bem“ geben uns ein schönes Gefühl des „Herzlich Willkommen“ sein. Der Süden des Landes soll das typische Brasilien des Norden und Westen nicht ganz so wieder spiegeln wurde uns gesagt, und das was wir auf diesem Abschnitt der Reise begegnen, bestätigt diese Aussage gründlich.

Wie es der Zufall will, erreicht uns unser Freund Clemens aus Hamburg mit der Aussicht auf ein witziges Projekt mit seinem Freund Michi just zur rechten Zeit. Wir machen spontan auf dem Weg nach Norden einen Schwenker ins Landesinnere.

Wir staunen nicht schlecht als uns Pension Oma Helga und Restaurant Schroeder am Ortseingang von Pomerode begrüßen. Um 1850 kam eine Gruppe von 17 Pionieren, um das Land zu besiedeln, welches dem deutschen Pharmazeuten Herman Bruno Otto Blumenau aus Hasselfelde zugebilligt wurde. Die neuen hellhäutigen Bewohner waren so anständig Leut, dass sie auf den damals noch üblichen Einsatz von Sklaverei verzichteten. Auch Reisende mit Sklaven durften nur 24 Stunden in der Stadt verweilen. Sowohl der Start als auch ihre Geschichte war für die neuen deutsch-brasilianer nicht immer einfach gewesen. Ihre Traditionen, Tugenden und Sprache pflegend, haben sie nicht nur an diesem Fleck sondern im gesamten Land ihre sicht- und hörbaren Spuren hinterlassen. Die Stadt weist heute eine der höchsten Lebensstandards in Brasilien auf und hat neben dem zweit größten Textilpark auch eine erfolgreiche Glasindustrie.*

Die erste Nacht verbringen wir bei Michi zu Hause mit einem herrlichen Blick über die Stadt. Felix, der zuerst einmal das stille Örtchen besuchen will, fragt mich mit für alle hörbarer Lautstärke: „Mami, meinst du die Klos sind hier sauber?“ So eine für uns sonst essentielle Frage kann man mitunter nicht unterdrücken aus Respekt vor anderen! Da sowohl der Nachmittagskaffee, als auch das Frühstück herrlich brasilianisch süß war und der Abend mit einer ausgiebigen Wii Session und Pizza mit Schokosauce vergoldet wurde, werden die Jungs sich wahrscheinlich bis an ihr Lebensende an diesen Aufenthalt mit einem Lächeln erinnern.

Vor 20 Jahren kam Michi mit seiner Rockband nach Brasilien, wurde vom Erfolg überrollt und konnte sich dem Charme der Brasilianer nicht verwehren und blieb. Hysterisch kreischende und Hüften schwingende Fans in ausverkauften Hallen tun der Musikerseele auf alle Fälle besser, als vor 5 Leuten in der muffigen Vorstadt Kneipe in Deutschland zu singen.

Damals hatte Michi noch eine Mähne wie Mick Hucknall von Simply Red und die heissen Groupies ließen nicht lange auf sich warten. Die Freundin derjenigen, die sich am meisten für ihn interessiert hat, wurde seine Frau und so begann seine eigene deutsch-brasilianische Geschichte.

Heute ist Michi neben seinem Marketingjob mit seiner deutsch-brasilianischen Combo auf dem größten Oktoberfest außerhalb Deutschlands immer noch ein Highlight. Inklusive der fast 340.000 Einwohner von dem Nachbarort Blumenau, wovon sich um die 40 % immernoch deutschstämmig fühlen, kommen jedes Jahr ca. 1 Millionen Besucher. Bei 30 Grad in Lederhosen werden fast 700.000 Liter Bier und 28.000 Teller Eisbein mit Sauerkraut konsumiert. 17 Tage lang tagt das Spektakel und wer im Dirndl erscheint zahlt nur den halben Eintritt.

Michis neue Band „Herr Schmitt“ lässt alljährlich neben 30 anderen angesagten Bands z.T. aus Deutschland tausende von Zuschauer auf deutsch-brasilianische Volksmusik abgehen. Hierfür sollte spontan ein kleines Video gedreht werden, was Stefan als witzige Ablenkung vom Reisealltag gerne in Angriff genommen hat.

Auf dem höchsten Gebäude von Blumenau wird im Penthouse mit Pool das „tsumba do aleman“ – Video gedreht. Trotz Bewölkung und der Absage des 2. Kameramanns ist ein tolles Video entstanden.

Felix der sich eigens zum DJ dieser Reise ernannt hat, tanzt und trällert nun nicht mehr zu Ed Sheerans „Shape of you“ sondern, schmettert laut mit vom Video abgeschauten Sänger Posen das „Ich liebe deinen Körper, mir fehlen die Wörter…“!

Am ersten Abend sind wir zur Einstimmung mit Michi und seiner Frau in die ortsansässige Brauerei Schornstein gefahren. Das Bierbrauen hat hier einen hohen Stellenwert und neben der Marke Schornstein, gibt es noch weitere Marken die u.a. Eisenbahn und Opa heißen. Stefan fotografiert seitdem nur noch Bierflaschen und jede fotografierte Flasche muss auch probiert werden. Mitunter fehlt vor lauter Bier im Kühlschrank der Platz für mein Gemüse. Die Flaschen mit drehbarem Verschluss statt Kronkorken stellen sich als sehr ungünstig für die Safari raus, da sie sich bei starker Buckelpiste eigenmächtig ihres Verschlusses entledigen und meine Zucchini und Möhren in Biersuppe schwimmen lassen.

Video-Nachbesprechung findet im „Torten Paradies“ statt. Apfelstrudel, Käsekuchen, Schwarzwälder Kirsch, alles was ein deutsches Herz zum gepflegten Kränzchen schneller schlagen lässt.

Ich habe im Ausland schon viele Immigrations-Geschichten in x-ter Generation erlebt, ob ursprünglich durch Kolonialisierung oder aus Not, die Gründe waren immer sehr individuell. Was alle diese Geschichten gemeinsam haben ist, dass die Familien ihre eigenen Traditionen über viele Generationen hinweg kultiviert haben. Identität besteht aus vielen Facetten und hinterlässt man nicht einfach. Die wenigsten Menschen verlassen ihre Heimat, um sich ihrer eigenen Identität zu entledigen. Deswegen ist es meiner Meinung nach wichtig, nicht immer nur von Anpassung und Integration zu sprechen, sondern vor allem auch einen Platz zu bieten, der tolerant genug ist mehrere Identitäten nebeneinander zu erlauben. Es gibt genügend positive Beispiele dafür in der Welt.

Nach 3 Tagen Deutschunterricht verbringen wir einen herrlichen Tag in einer Therme. Bei 35 Grad im Schatten im 30 Grad warmen Wasser zu baden ist auch mal was Neues, vor allem wenn 2 Leguane bewegungslos neben der Rutsche liegen.

Wir haben uns gegen Rio de Janeiro entschieden, um weder im Pantanal noch in den Anden die optimale Reisezeit zu verpassen. So ziehen wir Richtung Westen weiter und durchqueren auf dem Weg zu den Iguazu Wasserfällen die Kornkammer Brasiliens. Soweit das Auge reicht Landwirtschaft: Reis-, Weizen-, Mais-, Soja- und schließlich Zuckerrohrfelder. Die Größe der Felder, die Art der Landmaschinen, und die Vielzahl der Hühnerfarmen lassen erahnen, dass hier nicht ökologisch angebaut oder Eier der Güteklasse 0 produziert werden.

Aber das ist ein anderes Thema.

 

(*Quelle: Dumont Brasilien Reiseführer)

Wir kehren heim

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Okt 4, 2017

Die Insel Santa Catarina mit ihren 100 Stränden könnte von West nach Ost und von Norden nach Süden nicht unterschiedlicher sein. Die Meinungen darüber, was einen Besuch lohnenswert macht, bestimmt auch. Floripa, wie die Hauptstadt liebevollerweise von den Einheimischen genannt wird, ist ziemlich groß und glänzend und da wir es im Moment noch ruhig und beschaulich mögen, ziehen wir nach 1 Woche im Norden an der Ostküste Richtung Süden.

Mit Bodyboards der Holzklasse üben wir uns im  „Wellen nachspringen“. Den perfekten Moment zu erwischen, damit die Welle dich bis an den Strand sanft und mit einem breiten Grinsen trägt, ist nicht einfach. Ein stundenlanges Versuchen was mitunter einem Schleudergang ähnelndem Unterfangen gleicht. Genügend Mut braucht man auch, denn, dass was vom Strand aus klein und einfach aussieht, entpuppt sich im Meer als Kraftakt und dich auffressen wollende Monsterwelle. Felix und Luis stürzen sich wie die Musketiere in die Wellen und lernen den nötigen Respekt. Die Gezeiten sind gnadenlos und können ganz schön gierig an den noch jungen Beinen zerren. Dann baden sie stundenlang im Sand und bestaunen die Locals, die in ihren Ganzkörper Wetsuits, wie Robben im Wasser liegen und gemeinsam auf DIE Welle warten. Am Ende des Tages springt immer irgendwo ein kleines Fußball-Match mit Locals heraus, die anfänglich noch belustigt die Blondschöpfe am Ende, ob der Trefferquote und Ehrgeiz doch mit Respekt und Handschlag verabschieden.

Der Osten der Insel ist bekannt für seine Austern und bietet vielfältige Möglichkeiten diese auf recht erschwingliche Art und Weise zu verspeisen. Luis und Felix mampfen fröhlich ihre überbackenen Juwelen, während Stefan lieber beim Huhn bleibt. Da es hier üblich ist gemeinsam zu bestellen, werden die Hauptgerichte zumeist für mind. 2 Personen angeboten. Eine sehr schöne Art miteinander zu speisen. Für die Jungs mitunter nicht so spassig. Den letzten Bissen in den Mund schiebend, gebe ich immer wieder gerne zu bedenken:“ Ihr wisst ja, mit mir ist nicht gut teilen, ich bin mit 7 Geschwistern aufgewachsen“. Ich kann Euch versichern, dass auch für mich die Reise mit 3 Alphatierchen nicht immer “Zucker schlecken” ist.

 

Die Woche im Norden haben wir auf einem Campingplatz verbracht.  Im Sommer bestimmt heiß und überfüllt, in der Nebensaison aber beschaulich, mit niedrigeren Preisen und sehr angenehmen Temperaturen. Neben den notwendigen Haushaltsdingen haben wir aber vor allem die Zeit mit Tina und Daniel und ihren 3 bezaubernden Mädels verbracht. Die zwei Kreativen (gebürtig aus Dland und zuletzt in der Schweiz lebend) haben ihre Reise lange geplant und sind gut ausgestattet mit Sponsoren bereits vor 6 Monaten aus Dland nach Uruguay gekommen. Sie haben ebenfalls ein Auto vor Ort gekauft, einen Mercedes 307.  Nach dem ersten Umbau und einer darauffolgenden Probezeit haben sie jedoch gemerkt, dass ein Auto für 2 Personen, für fünfe nicht unbedingt praktikabel ist. Es folgte nochmal ein kompletter Umbau. Ihr Start hat sich somit um 3 Monate verzögert und sie als Familie an den Rand der möglichen Belastung gebracht. Mit Kindern können kleine Mücken eben doch zu Elefanten werden.

Einmal mehr finde ich es wichtig auch diese Seiten des „Nomadenlebens“ zu erwähnen: die nicht perfekten, unplanbaren, nicht voraussehbaren Zwischenfälle, die das Menschsein in petto haben kann. So ein Abenteuer ist eine ziemliche Herausforderung für alle – alleine, zu zweit, als Erwachsene aber mit kleinen Kindern noch viel mehr. Zu schön wäre es, wenn die auf Instagram dargestellten Traumwelten, die sich „vanlifediaries“ oder „Homeiswhereyouparkit“ nennen, einzig und allein der Realität entsprächen. Zigtausend Follower und filmreif nachgestellte Szenen können nicht darüber hinweg täuschen, dass der Alltag zumeist anders aussieht. Natürlich kommt es auf das Land, die Jahreszeit, das Fahrzeug und die Begleiter an, aber so sehr man auch an jedes Detail denkt, es wird anders kommen als man es sich vorgestellt hat.

Die Tage des Regens, der feucht klammen Klamotten, der fast unhaltbaren Nähe, der nach Bratfett riechenden Kabine, der voll Sand von den Füssen der lieben Kleinen juckenden Kopfkissen, der zu langen Tagesetappen, der sich in den unpassenden Momenten streitenden Kinder und und und Situationen…. werde selten beschrieben noch gezeigt.

Ich kann euch garantieren, dass ALLE diese Momente haben. Auch die Aussicht darauf, dass diese Zustände in unterschiedlichen Nuancen in den nächsten Monaten dauerhafte Begleiter sein werden, lässt das Herz nicht höher springen aber auf alle Fälle die eigene Toleranzgrenze erweitern.Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob wir, wenn die Hutschnur mal wieder platzt, wirklich die besten Vorbilder sind, die unsere Kinder so ungefiltert 12 Monate ertragen müssen.  Wie war noch der Spruch bezüglich der Erziehung: Es braucht ein ganzes Dorf .. ?

Aber was wäre ein Abenteuer ohne Herausforderung? Die Frage ist nur: will man sich dem stellen? Will man daran wachsen? Kann man das als Familie und als Paar aushalten? Wir haben für uns alle Fragen mit JA beantwortet (…naja, die die wir uns vorher vorstellen konnten) und Tina und Daniel haben es auch.

Ihre Kinder sind noch kleiner als unsere Jungs – Selma 1, Ella 5 und Klara 6 Jahre alt.  Das bringt nochmal etwas andere Herausforderungen mit sich. Schön zu sehen, dass auch das zu meistern ist. Wir haben 6 entspannte Tage zusammen verlebt: über lustige und unmögliche Werbejobs gelacht und den Einfluss der Werbung bis hinein ins Familienleben seziert.

Die Werber unter Euch, ob angestellt oder selbständig, werden verstehen, dass die Arbeit in dieser Branche die meisten sehr vereinnahmen und zum Teil bis hin zum burn-out oder in Depressionen treiben. Ein immer noch sehr verschwiegener Zustand. Die Werbung ist oft gnadenlos und wird sich hoffentlich in den nächsten Jahren noch Familienfreundlicher zeigen… Aber zurück zu unserem Abenteuer.

Ein gemeinsames Highlight war natürlich Felix 6. Geburtstag.

 

 

Den haben wir standesgemäß auf einem Piratenschiff verbracht.

Unsere Vorstellung war verwegen und abenteuerlich.  Die Realität war haarsträubend und dennoch herrlich skurril. Ich überspringe mal die erste Stunde, in der wir grün um die Nase an den Tampen hingen. Der Wind und damit auch der Wellengang waren an diesem Tag wirklich gemein. Die kleine Selma hat sich das nicht gefallen lassen und erstmal das gesamte BioMüsli ausgekotzt und Tina somit die Freude bereitet die Bekanntschaft mit dem „Köchen“ unter Deck zu machen. Felix und Ella verharrten in einem bekifft aussehendem Wachkoma. Ich habe mich tapfer zum Caipirinha stand durchgeschlagen und Stefan, Luis und Klara wie Käptain Sparrow mit einem Lächeln im Gesicht. Aus den Lautsprechern schepperten neben der ohrenbetäubenden Musik auch die brasilianischen Anheizersprüche eines wie Captain Sharky verkleideten Piraten.

Die zumeist brasilianischen Gäste fanden es super und ließen sich zu jeglichem Blödsinn hinreißen. Auf  auf einem Podest noch schlechter verkleidete pseudo Zumba tanzende Putzlumpen schwingende Piratinnen, die Step-by-Step der schräg liegenden Bretterbude entgegen zu wirken versuchten. Zum Glück gab es für uns noch ein etwas ruhigeres Plätzchen auf dem Heck, welches bedrohlich hin und her wackelte und es mir erschwerte die Überreste vom Biomüsli vom Sitz zu wischen.

Der erste Inselstopp hat das Blatt dann wieder gewendet und uns die Farbe und das Lachen ins Gesicht zurück gebracht. Nach 2 weiteren Stopps und 5 Stunden Wellengang, waren wir eins mit der Crew und dem nun schon leicht angetrunkenen Partyvolk, die in allen erdenklichen Sprachen „Happy Birthday“ für Felix gesungen haben. Das leichte Zittern in den Beinen, die zerzausten Haare und unsere Erleichterung über die Nichtverwendung der Notinseln haben diesem unvergesslichen Geburtstagsabenteuer einen krönenden Abschluss gegeben. Daniel, der wegen eines eh schon verstimmten Magens im Bus geblieben war, konnten wir von einem einzigartigen Abenteuer erzählen.

Da es in der Nebensaison leider keine Bootstouren der einfachen Art auf andere Inseln gibt, hat sich mein schlechtes Gewissen erst dann gelegt, als die kleine Ella nach 2 Tagen mit einem fröhlichen Gesicht zu mir kam und sagte: „Ich wünsche mir auch so einen tollen 6. Geburtstag“.

Während ich das schreibe sitze ich vor unserem Bigfoot, der direkt am Strand geparkt ist. Die Räder im Sand, 10 Meter feiner Strand, plätschernde Wellen –  so gleichmässig, so friedlich, so ruhig – sollte ich jetzt doch in die „kitsch as kitsch can“- Instagram Falle tappen?

Tut mir leid, aber das kann ich euch auch nicht vorenthalten: Sonnenuntergang mit Sundowner, schwimmen im Abendlicht, Hängemattenmomente unter rauschenden Palmenwipfeln, wandern auf Dschungelpfaden zu Wasserfällen, Frühstück am Strand….

#Homeiswhereyourheartis     #getoutstayout

…. und jeden Abend kehren wir heim in unser neues zuhause, unseren treuen Begleiter der uns den wichtigen Rahmen auf dieser Reise und den Halt im Alltag gibt. Unseren Rückzugsort! Unseren Cocoon! Unser neues Heim!

Von Männern, Motorhomes und Plastik-Rindern

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Sep 24, 2017

Ein ganz besonderes Highlight unserer letzten Etappe habe ich unterschlagen. Die letzte Nacht vor unserer Canyontour haben wir in Praia Grande übernachtet und sind bei der Suche nach einem passenden Schlafplatz von einem freundlich winkenden Herrn auf einen Festivalplatz eingeladen worden. Was uns da erwartete war wirklich skurril. Mindestens  200 abgefahrene Motorhomes.

Wir sind aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Spacige Wagen, einige klein und fein, andere mind. 10 Meter lang.
Originale aus den 70ern,  einige mit Hightech-Ausstattung, andere wiederum in schönem beige-gelb-braunem Retro Design.

„Lieber Torsten E., wir haben ganz besonders an Dich hier denken müssen – ein Traum.“

Witzigerweise haben wir 2 nette Reisende aus unserem Nachbarort Murnau getroffen.
Cornelia und Stefan Wedel. Die Welt kann so klein sein.

Am beeindruckensten war aber der auf dem Gelände stattfindende „Gaucho-Wettbewerb“.
Wir haben zum Glück nur die Abendstunden Stunden miterlebt, aber wie uns gesagt wurde, hat der Wettbewerb bereits morgens früh angefangen.
Wenn ihr euch den Film anschaut und dem Mann am Mikro lauscht, könnt ihr Euch ein wenig eine Vorstellung machen.
Wie auf einer Auktion wurden die Teilnehmer angefeuert ihre Lassos im Galopp der von einem Motorrad gezogenen Rinderattrappe um die Hörner zu werfen. Soweit wir das verstanden haben galt das k.o.-Prinzip und die Männer haben ihre Jobs echt gut gemacht.

Fette Autos, starke Männer, schnelle Pferde, weibliche Zuschauer – darauf haben wir erstmal ein kühles Bier getrunken.

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